Fahrradausflug

Mattis beeil dich, wir wollen los.“ Alena nimmt die Wasserflaschen und steckt sie in die kleinen bunten Rucksäcke. Während sie schwer bepackt die Küche verlässt, greift sie noch nach der Sonnencreme und steckt sie ebenfalls ein. Sie öffnet die Haustür und der Geruch von Öl schlägt ihr entgegen. „Ich hab noch schnell die Ketten geölt. Wir können gleich los. Nur schnell noch die Hände waschen.“ Und schon ist ihr Mann in der Haustür verschwunden. Schwarze Fingerabdrücke zieren nun den Griff. Lisa kommt aus der Tür und nimmt wortlos ihren Rucksack entgegen. Den Blick unablässig auf ihr Handy gerichtet. „Das musst du bei der Fahrt aber wegstecken Schatz!“ Alena blickt ihre Tochter an, die sie weiter zu ignorieren scheint. „Alles klar Mama, stress’ mich nicht.“ Anscheinend ist Lisa doch nicht so sehr im Tunnel, wie gedacht. Die Tür geht erneut auf und Mattis und sein Vater kommen zum Rest dazu.

Die Fahrräder glänzen im Sonnenlicht. Es ist schon sehr heiß für die frühe Uhrzeit. „Mama müssen wir echt Fahrradfahren? Ich schwitze jetzt schon.“ – „Ja, das machen wir doch jedes Jahr zum Ferienbeginn.“ Den Anflug quer durch den Wald hin zum Stausee macht die Familie tatsächlich nur einmal im Jahr – am ersten Tag der Sommerferien. Alena freut sich jedes Jahr mehr darauf. Schließlich verbringt sie so kostbare Zeit mit ihrer Familie und entflieht ganz nebenbei den stickigen Büroräumen und klebrigen Kunstledersitzen der Arbeit.

Sobald sie den Waldweg erreicht haben, ist die Luft kühler. Der trockene Erdboden staubt die Räder wieder ein und durch die Baumkronen kann man die Sonne sehen. Staubwolken wandern durch ihre Strahlen. Die Geräusche der Stadt verstummen und lange Zeit hört man nur die Reifen über den Boden fahren, während weit entfernt ein Kuckuck zu verstehen gibt, dass man sich in seinem Haus befindet. Alena lässt sich auf ihrem Rad zurückfallen und atmet den erdigen Duft ein. Im Augenwinkel bewegt sich etwas. Ein Hase hoppelt ein paar Meter neben ihr her und biegt dann Richtung Wildnis ab.

Lisa und Mattis vergessen langsam ihr Alter und beginnen, Wettrennen zu fahren. Plötzlich kommt Mattis ins Schleudern und fällt direkt ins Dickicht. Dort bleibt er für einen Moment liegen. Als Alena bei ihm ankommt, steht Mattis schon und klopft sich die Hosenbeine ab. „Glaub ja nicht, das ich jetzt aufgebe!“ Er grinst seine Schwester an und steigt wieder auf sein Rad. „Wer als erster am See ist!“, ruft er und fährt los. Lisa muss in die Pedale treten, um hinterher zu kommen. Alena will auch weiterfahren, aber ihr Mann hält ihren Lenker fest. „Das Schöne daran, wenn sie älter werden ist doch, dass man nicht ständig alles beobachten muss.“ Er zieht sie an sich und küsst sie. Auch Eltern brauchen mal Sommerferien.

Lebt leuchtend, Lena.

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