Glücksmoment

Jana schlendert durch die Altstadt. Ein Blick auf den Kirchturm verrät ihr, dass sie noch etwas Zeit hat. Sie bleibt vor den Schaufenstern stehen und stellt sich vor, wie es wäre, dieses oder jenes Kleidungsstück zu tragen. Ihre Hände fahren über ihre Hüften und sie fühlt den festen Stoff ihrer Jeans, der durch die schlichte weiße Leinenbluse hindurch schimmert, wenn das Licht darauf fällt. Bunte Kleider mögen andere gern tragen, Jana bevorzugt die schlichte Eleganz. Sie atmet tief durch und schließt kurz die Augen. Das rote Kleid in der kleinen Boutique gegenüber sähe toll aus an ihr. Sie öffnet die Augen wieder und zieht die Mundwinkel in Richtung Ohren. Nein, sie fühlt sich ohne einfach besser. Freier und leichter. Sie hätte ohnehin keinen Anlass, um so etwas zu tragen.

Ihr Weg führt sie entlang der Kopfsteinpflasterstraße vorbei an den unterschiedlichsten Geschäften, die sich in die kleinen Altbauten zwängen und teilweise von ihren Eigentümern verlangt haben, auch noch einige Ständer auf die Straße zu stellen. Sonst würde es drinnen einfach zu eng werden. Am Ende der Straße gelangt Jana zu einem kleinen Haushaltswarengeschäft. Davor steht ein sonnengelber Schirm. Es duftet nach Keksen und gemahlenem Kaffee. „Darf ich Ihnen einen Espresso anbieten?”, fragt sie ein junger Mann mit einer ebenfalls sonnengelben Schürze.

Jana hat keine Zeit zu antworten, sofort setzt der Mann seine Rede fort. „Ab heute können Sie bei uns den Sunshine-Espresso-Maker erwerben. Für die kleinen sonnigen Glücksmomente in der heimischen Küche. Hier – probieren Sie.” Er drückt ihr einen frisch zubereiteten Espresso aus einem kleinen Espressokocher in die Hand. Hinter ihm befüllt ein junges Mädchen gerade einen zweiten Kocher und stellt ihn auf eine der mobilen Herdplatten, die unter dem Sonnenschirm aufgebaut sind. „Oh Danke.” Jana nimmt skeptisch einen Schluck. Vollmundiger Kaffeegeschmack auf der Zunge überrascht sie. Verdammt. Sie will sich nicht schon wieder etwas Überflüssiges kaufen, das dann eh nur im Schrank steht.

Als könnte der Verkäufer ihre Gedanken lesen, führt er fort: „Gönnen Sie sich doch etwas Luxus in ihrem Leben.” Das war Janas Stichwort. Luxus. Luxus bedeutet für Jana nicht, wunderbare Produkte zu kaufen und sich dann bei deren Verwendung darüber erfreuen. Luxus ist für Jana etwas anderes. Luxus bedeutet, sich unabhängig von materiellem Besitz dankbar und glücklich für den aktuellen Moment zu schätzen.

Jana schließt kurz die Augen und atmet durch. Sie lächelt, als sie die Tasse zurück gibt. „Nein danke. Ich habe alles, was ich brauche.” Stolz, erleichtert und glücklich verlässt Jana den sonnengelben Schirm. Heute wird ein guter Tag. Manchmal genügt es schon, sich des eigenen Wertes und der eigenen Werte bewusst zu werden, um einen Glücksmoment zu erleben.

Lebt leuchtend, Lena.

P.S. Hat Euch der Beitrag zum Lächeln gebracht? Was hat Euch gefallen und was vielleicht auch nicht? Ich freue mich auf Euer Feedback in den Kommentaren oder per Kontaktformular.

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