Lauftraining

Die Wolkendecke hängt schwer über der Förde. Ein Fischerboot tuckert gerade zurück in den Hafen und das monotone Geräusch des Motors dringt dumpf in ihre Ohren. Es riecht nach Algen und die Luft schmeckt salzig. Was hätte sie dafür gegeben, jetzt noch einmal ins Bett zu kriechen. Ihr Gesicht verzieht sich zu einer Grimasse, während sie gähnt. Nike sieht Stefanie schon von weitem. Die gelben Laufschuhe erfüllen offensichtlich mehr als nur ihren Zweck.

„Guten Morgen”, trällert Steffi als sie angerannt kommt und dabei nicht einmal Trampelgeräusche macht. Nike überlegt ernsthaft, ob sie diesen Lauf ‚Elefant und Gazelle‘ durchziehen will. „Morgen.” Die Mundwinkel zeigen dabei schon nach unten. „Du ich weiß nicht…” – „Kneifen gilt nicht. Komm, wir starten einfach mal. Wenn du in fünf Minuten wirklich nicht mehr willst, lade ich dich zum Sektfrühstück ein.” Stefanie läuft los, ohne eine Antwort abzuwarten.

Nike setzt sich in Bewegung. Während ihr Herz anfängt, schneller zu schlagen, überlegt sie, in welches Café die beiden gleich gehen. Langsam holt sie Steffi ein. Sie wischt sich die ersten Schweißperlen mit einer schnellen Handbewegung weg. Auf der zurückgebliebenen feuchten Haut prickelt die immer noch sehr kühle Morgenluft recht angenehm. Nikes Bewegungen werden runder, ihre Atemzüge tiefer und gleichmäßiger. Sie konzentriert sich darauf, mit Steffi Schritt zu halten. „Sind die fünf Minuten bald um?”, fragt sie mit erstaunlich ruhiger Stimme. Steffi schmunzelt, während die beiden in die nächste Straße liegen. „Schon lange. Wir laufen schon seit fast 20 Minuten.” Wenn man erst mal anfängt, vergeht die Zeit wie im Flug.

Lebt leuchtend, Lena.

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