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Ihr erster Weg führt sie vorbei an den Büchern auf dem Schreibtisch zur Yogamatte am geöffneten Fenster. Sie lässt die Geräusche der Stadt herein. Auf sie wirkt es jeden Morgen so, als würde der Stadtkern für sie singen. Das Summen der Autos weit weg und das Rauschen des Windes in den Bäumen. Sie atmet ein und nimmt dann ihr Handy in die Hand. „Guten Morgen und Gute Nacht“ tippt sie. Ein komischer Kauz, der jede Nacht bis um fünf wach bleibt, arbeitet und dann den ganzen Morgen verschläft. „Gute Nacht und Guten Morgen“, kommt die Antwort sofort auf ihren Bildschirm. Sie lächelt und legt das Handy beiseite. Wie schön, dass jemand schon so früh morgens an sie denkt.

Während sie mit den ersten Figuren beginnt und sich langsam an den wachen Zustand gewöhnt, wandern ihre Gedanken in die kleine Wohnung weit weg von hier. Er liegt jetzt in dem Bett. Ob die Bettwäsche noch nach ihrem Parfüm riecht? Sie kräuselt die Nase während sie im herabschauenden Hund steht und schüttelt den Kopf während sie lacht. Das wäre wirklich unappetitlich. Ist schließlich schon zwei Monate her. Die Entfernung ist zu weit. Die beiden haben viel Kontakt, aber versichern sich immer wieder gegenseitig, dass da nichts ist. Nur eine Ausnahme vor zwei Monaten. Sie schließt ihre Yogaroutine ab und startet entspannt in den Tag. Es ist alles gut so, wie es ist.

Am nächsten Morgen sitzt sie auf der Matte und tippt „Guten Morgen und Gute Nacht” ein. Abgesendet. Sie trinkt noch einen Schluck Wasser und hört dann das vertraute Piepsen. Ein Blick aufs Display. Fehlalarm. Seltsam. Noch ein Schluck Wasser. Nichts. Ihr Schultergürtel zieht sich zusammen und ihre Mundwinkel fallen nach unten. Ohne Lust auf ihre Yogaeinheit verlässt sie wenig später das Haus mit einem Kaffee in der Hand. „Brauchst du noch Brötchen zu deinem Kaffee?” Er steht vor ihr und grinst sie mit diesem unvergesslichen Lachen an.

Lebt leuchtend, Lena.

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