Niemals

Der Chlorgeruch zieht in Sandras Nase, noch während sie ihr Fahrrad direkt vor dem Haupteingang abschließt. Das Hallenbad hat jetzt immer früher geöffnet, damit Sportbegeisterte sich schon vor der Arbeit im Wasser ausstrampeln können. Sandra betritt das Gebäude und biegt sofort nach links ab. Unter dem Schild „Freibad” hindurch bewegt sie sich wieder nach draußen.

Der Chlorgeruch verfliegt und wird durch den Duft von feuchter Erde ersetzt. Noch ist das Gras nass und die Luft kühl. Die Steinplatten rund um das Becken sind sauber. Keine feuchten Fußabdrücke sind darauf zu finden. Sandra geht etwa zwanzig Meter zu ihrem Turm und klettert hinauf. Noch eine halbe Stunde, dann beginnt auch im Freibadbereich der normale Betrieb. Aber jetzt ist Sandras Zeit. Ganz allein und ohne Verantwortung für andere Menschen kann sie den Anblick der spiegelglatten Wasseroberfläche genießen.

Ihre Gedanken schweifen ab zu ihrem letzten Urlaub in Italien. Der Pool der Ferienanlage lag abends genauso still, wie das Becken jetzt. Sandra lächelt und trinkt einen Schluck Wasser. Sie bereut es nicht. Ihr neuer Job bezahlt sicher keinen Fünf-Sterne-Urlaub im Ausland mehr. Aber nie hat sie sich so wohl gefühlt, wenn sie morgens zur Arbeit fuhr. Nie hat sie so viel Spaß dabei gehabt, Kindern etwas beizubringen. Nie hat sie eine wichtigere Aufgabe als diese gehabt.

Lebt leuchtend, Lena.

P.S. Hat Euch der Beitrag zum Lächeln gebracht? Was hat Euch gefallen und was vielleicht auch nicht? Ich freue mich auf Euer Feedback in den Kommentaren oder per Kontaktformular.

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