Sommerweihnachten

Gibt es noch Kekse?”, Paul schleicht in die Küche und reibt sich die Augen. „Kekse?” Karin legt den Kopf schief und fährt mit der Hand durch das weiche Haar ihres Sohnes. „Ja, ich hab von Weihnachten geträumt.” Draußen geht gerade die goldrosa leuchtende Sonne auf und taucht die lindgrüne Küche in dieses ganz besondere Sommerlicht. Karin schmunzelt und kann nicht umhin, mal wieder dankbar dafür zu sein, was für ein Goldjunge Paul ist. „Wir haben Frühstück, aber Kekse haben wir im Juli nicht im Haus. Tut mir leid mein Spatz.” Sie gibt ihm einen Kuss auf die Stirn. „Mach dich schnell fertig, dann gibt es Brötchen.” Paul nickt und trottet Richtung Badezimmertür. Während Karin den Tisch deckt, denkt sie an Pauls Traum. Wieso er wohl im Hochsommer von Weihnachten träumt? „Weil es da immer so gemütlich ist”, erklärt er ihr wenig später zwischen zwei Bissen Erdnussbutterbrötchen.

Am darauffolgenden Morgen steht Karin etwas früher auf und sticht Plätzchenteig zu kleinen Sternen aus. Außerdem legt sie ihre Lieblingsweihnachtsplatte auf, die sonst nur am heiligen Abend abgespielt wird. Den Tisch schmückt sie mit einer weinroten Tischdecke. Auf der Herdplatte köchelt bereits der Apfelsaft mit Zimt und Nelken vor sich hin. Als sie die vier Kerzen mit dem Streichholz anzündet, atmet sie den wohl bekannten Schwefelgeruch ein und freut sich selber wie ein kleines Kind auf das spontane Weihnachtsfrühstück im Hochsommer. Manchmal muss man etwas Ungewöhnliches tun, um ein gewöhnliches Gefühl zu etwas Besonderem werden zu lassen.

Lebt leuchtend, Lena.

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